Wer euren Cannabis-Shop bei Google eintippt, findet euch vielleicht noch. Wer ChatGPT oder Perplexity fragt „wo kaufe ich seriös CBD-Öl?“, findet euch möglicherweise gar nicht mehr – unabhängig davon, wie gut eure Website rankt. KI-Suchsysteme lesen und zitieren anders, als Google rankt. Wer das ignoriert, wird unsichtbar, bevor er es merkt.
Das Wichtigste in Kürze
- KI-Suchsysteme wie ChatGPT, Perplexity und Google AI Overviews beantworten Suchanfragen zunehmend direkt – ganz ohne Klick auf eine Website
- Rund 55 % der B2B-Käufer starten ihre Recherche mittlerweile bei ChatGPT oder Perplexity statt bei Google
- Zeigt Google eine KI-Antwort direkt an, klicken nur noch rund 8 % der Nutzer auf ein klassisches organisches Suchergebnis
- Cannabis-Marken haben es in KI-Antworten strukturell schwerer als andere Branchen – das Werbeverbot nach § 6 KCanG bedeutet weniger von dem Material, aus dem KI-Systeme ihr Bild einer Marke formen
- Sichtbarkeit in KI-Antworten lässt sich gezielt verbessern – über Struktur, Belegbarkeit und technische Freigabe für KI-Crawler
- Erste messbare Effekte sind realistischerweise nach 4 bis 12 Wochen zu erwarten
Warum sich die Suche gerade verschiebt
Google zeigt Antworten mittlerweile direkt im Suchergebnis an, bevor überhaupt ein Klick stattfindet. AI Overviews erreichen nach aktuellen Schätzungen rund 2,7 Milliarden Nutzer im Monat und erscheinen bei 30 bis 60 % aller Suchanfragen. Für Nutzer ist das bequem – für Websites bedeutet es weniger Traffic, selbst bei guter Platzierung.
Parallel dazu verlagert sich ein wachsender Teil der Recherche komplett weg von Google: hin zu ChatGPT, Perplexity und ähnlichen Assistenten, die direkt mit einer Antwort und wenigen Quellenlinks arbeiten. Rund 26 % der Nutzer beenden ihre Suche nach einer KI-Antwort vollständig, ohne eine einzige Website zu besuchen.
Die Konsequenz für Cannabis-Unternehmen: Platz 1 bei Google reicht nicht mehr automatisch. Entscheidend wird zunehmend, ob eine KI-Antwort die eigene Marke überhaupt nennt – unabhängig vom klassischen Ranking.
Cannabis-Marken: schwereres Terrain für KI-Empfehlungen
Für Cannabis-Unternehmen kommt eine zweite Hürde hinzu, die andere Branchen nicht kennen. KI-Systeme formen ihr Bild einer Marke oder Branche unter anderem aus dem, was im Netz über sie geschrieben wird – Presseartikel, Vergleichsportale, Foren, Erwähnungen in Fachmedien. Genau dieses Material entsteht in werbefinanzierten Branchen automatisch in großer Menge, weil Anzeigen, Kooperationen und PR-Aktionen ständig neue Erwähnungen erzeugen.
Das Werbe- und Sponsoringverbot nach § 6 KCanG unterbindet genau diesen Mechanismus für Cannabis-Marken. Wer nicht werben darf, wird seltener in Vergleichsartikeln erwähnt, seltener verlinkt, seltener zitiert – schlicht, weil weniger Anlässe dafür entstehen. Naheliegend ist außerdem, dass Sprachmodelle bei rechtlich sensiblen, regulierten Produkten – ähnlich wie bei Alkohol, Glücksspiel oder verschreibungspflichtigen Medikamenten – vorsichtiger agieren und seltener von sich aus konkrete Händler oder Marken nennen.
Für Cannabis-Unternehmen heißt das: Auf organisch entstehende Erwähnungen zu hoffen, funktioniert schlechter als anderswo. Sichtbarkeit in KI-Antworten muss stattdessen gezielt über die eigenen, gut strukturierten und belegbaren Inhalte aufgebaut werden – nicht über Reichweite von außen.
Wie KI-Systeme entscheiden, wen sie zitieren
Zwei Kanäle bestimmen, ob eine Marke in einer KI-Antwort auftaucht. Erstens die Trainingsdaten – das, was beim Training des Modells bereits eingeflossen ist. Darauf lässt sich kurzfristig kein Einfluss nehmen. Zweitens das Echtzeit-Retrieval – viele Systeme rufen beim Beantworten einer Frage aktuelle Webseiten auf und zitieren daraus direkt. Genau hier setzt Optimierung an.
Für die Auswahl beim Retrieval spielen vor allem diese Faktoren eine Rolle: klar strukturierte, direkt beantwortende Inhalte; technisches Schema-Markup, das Inhalte maschinenlesbar auszeichnet; sichtbare Aktualität; und Signale für Glaubwürdigkeit – erkennbare Autoren, Quellenangaben, eine belastbare Reputation. Wer diese Punkte erfüllt, wird häufiger als Quelle herangezogen als wer es nicht tut.
3 Anzeichen, dass eure Cannabis-Marke für KI unsichtbar ist
Bevor es an die Umsetzung geht, kurz zum Selbstcheck: Diese drei Muster sehen wir bei Cannabis-Marken am häufigsten, wenn ChatGPT, Perplexity oder die Google-KI-Übersicht sie schlicht nicht kennen.
- Fragt man die KI direkt nach der Marke, kommt eine vage oder falsche Antwort – oder gleich ein Konkurrent.
- Die Website hat kaum strukturierte, zitierfähige Fakten (Preise, Wirkstoffe, Zertifikate, FAQ) – nur Fließtext und Bilder.
- Es gibt kaum Erwähnungen auf anderen vertrauenswürdigen Seiten (Fachportale, Verzeichnisse, Presse) – KI-Systeme stützen sich stark auf Drittquellen.
Was konkret zu tun ist
Die folgenden fünf Hebel lassen sich unabhängig voneinander umsetzen – zusammen ergeben sie aber erst das vollständige Bild:
Technischer Zugang für KI-Crawler
Ohne technischen Zugriff kann keine KI eure Inhalte lesen, egal wie gut sie geschrieben sind. In der robots.txt sollten GPTBot, PerplexityBot, ClaudeBot und Google-Extended explizit erlaubt sein. Wichtige Inhalte dürfen nicht ausschließlich per JavaScript nachgeladen werden. Und wer Cloudflare oder einen ähnlichen Bot-Schutz einsetzt, sollte prüfen, ob dieser KI-Crawler ungewollt mit aussperrt.
Schema-Markup setzen
FAQPage-Schema hat in der Praxis den größten Hebel, weil es Frage-Antwort-Paare direkt maschinenlesbar auszeichnet – genau das Format, in dem KI-Antworten formuliert werden. Ergänzend gehören Article-Schema mit aktuellem Änderungsdatum und Autor sowie Organization-Schema mit Verlinkung zu den offiziellen Unternehmensprofilen dazu.
Answer-First statt Einleitung
KI-Systeme extrahieren am liebsten Absätze, die sofort mit der Antwort beginnen – nicht mit einer Einleitung, die erst zum Punkt hinführt. Kurze Absätze mit zwei bis vier Sätzen, ein Gedanke pro Absatz, konkrete Zahlen statt vager Aussagen: Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, wörtlich oder sinngemäß zitiert zu werden, spürbar.
Glaubwürdigkeitssignale aufbauen
Eine sichtbare Autorenbox mit Namen, Foto und Qualifikation, Quellenangaben direkt im Text und eine faktisch präzise Über-uns-Seite sind für KI-Systeme ein Signal für Vertrauenswürdigkeit – ein Faktor, der bei einer stark regulierten Branche wie Cannabis besonders schwer wiegt.
Aktualität sichtbar machen
Ein sichtbares Update-Datum im Artikel und ein aktuell gehaltenes Änderungsdatum im Schema signalisieren, dass Inhalte gepflegt werden. Zentrale Inhalte sollten mindestens vierteljährlich, alle anderen mindestens halbjährlich überprüft werden.
So testet ihr eure aktuelle KI-Sichtbarkeit
01
Fragen sammeln
5–10 Fragen formulieren, die eure Zielgruppe realistisch stellen würde – z. B. „Wo kaufe ich seriös CBD-Öl?“
02
Wöchentlich testen
Dieselben Fragen in ChatGPT, Perplexity und Google AI Overviews stellen – jede Woche dieselben, um Veränderungen zu erkennen
03
Dokumentieren
Wird die Marke genannt? Welche Konkurrenten tauchen auf? Welche Quellen werden zitiert?
04
Nachschärfen
Inhalte dort anpassen, wo die eigene Marke fehlt, falsch dargestellt wird oder Wettbewerber bevorzugt zitiert werden
Wisst ihr, ob ChatGPT & Co. euren Shop überhaupt kennen?
Im kostenlosen Sofort-Check seht ihr in wenigen Minuten, wie sichtbar eure Marke aktuell in ChatGPT, Perplexity und Google AI Overviews ist – ohne Formular, unverbindlich.
Und die Finanzierung?
Eine strukturierte Ausgangsanalyse der eigenen KI-Sichtbarkeit – die Messung über mehrere KI-Systeme plus Fahrplan – ist eine klassische Beratungsleistung und damit grundsätzlich genauso förderfähig wie andere Marketingberatung. Über die BAFA-Förderung „Unternehmerisches Know-how“ lassen sich je nach Bundesland 50 bis 80 % der Kosten decken. Wie das konkret funktioniert, haben wir im Beitrag BAFA-Förderung für Cannabis-Marketing zusammengefasst.
FAQ
Ersetzt KI-Sichtbarkeit die klassische SEO?
Nein, sie ergänzt sie. Gute technische SEO, Ladezeiten und saubere Struktur bleiben die Grundlage – GEO baut zusätzlich auf Zitierfähigkeit und Schema-Markup auf.
Wie schnell zeigen sich Ergebnisse?
Erste messbare Effekte sind realistischerweise nach 4 bis 12 Wochen zu erwarten, abhängig davon, wie oft die eigenen Inhalte neu gecrawlt und in Trainings- oder Retrieval-Daten aufgenommen werden.
Kann man sich KI-Sichtbarkeit einfach erkaufen?
Nein. Es gibt keine bezahlten Platzierungen in ChatGPT, Perplexity oder Google AI Overviews. Sichtbarkeit entsteht ausschließlich organisch über Struktur, Belegbarkeit und technische Zugänglichkeit der eigenen Inhalte.
Ist das mit dem Werbeverbot nach § 6 KCanG vereinbar?
Ja. Es geht um sachliche, belegbare Information – keine Produktwerbung. Genau das unterscheidet KI-Sichtbarkeit von klassischer Werbung und macht sie im regulierten Cannabis-Markt überhaupt erst nutzbar.
Was kostet der Einstieg?
Die Ausgangsanalyse bei 420MKT liegt bei 4.000 € und ist wie beschrieben häufig über die BAFA-Förderung bezuschussbar. Ein erster Überblick über die eigene Ausgangslage ist über den kostenlosen Sofort-Check möglich.
KI-Sichtbarkeit ist kein Nice-to-have mehr, sondern der Punkt, an dem Cannabis-Marken aktuell am meisten verlieren, ohne es zu merken – weil klassische Rankings weiterhin gut aussehen können, während KI-Antworten die eigene Marke längst nicht mehr nennen. Wer jetzt beginnt, Inhalte answer-first zu strukturieren und technisch für KI-Crawler zu öffnen, sichert sich einen Vorsprung, den viele Wettbewerber erst in ein bis zwei Jahren erkennen werden. Mehr zu unserem Ansatz für KI-Sichtbarkeit gibt es auf der Service-Seite.